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Im Namen der Götter / Oisín McGann



Im Namen der Götter

Oisín McGann


Piper Verlag
Erscheiungstermin: 11/2006
Übersetzer: Irene Bonhorst
Rezension ist von 11/2006
Leserschwert-Genre: Fantasy

Polit-Parabel im Fantasy-Kleidchen

Im Allgemeinen verhalten sich Literaturtrends wie alle anderen Trends: sie kommen und sie gehen. Der anhaltende Fantasy-Boom, der sich unter dem Tarnumhang eines gewissen Zauberlehrlings klammheimlich aus den Kinderzimmern auf erwachsene Nachtkasteln geschlichen hat, pfeift aber auf diese Regel. Denn obwohl seine Halbwertszeit längst überschritten ist, entdecken immer mehr Autoren, denen einst vermutlich bei der bloßen Erwähnung des Wortes Fantasy das Weiße in den Augen stockte, die uferlosen Freiheiten des Genres als formalen Luxus. Mit dem üblichen Personal aus Zwergen, Drachen und Trollen hat das freilich kaum noch was am Hut, bei einigen Neuerscheinungen drängt sich sogar der Verdacht auf, dass die Bezeichnung Fantasy aus der Trickkiste der Verpackungsindustrie gefischt wurde. Einer dieser Autoren ist Oisín McGann von der grünen Dichterinsel, dessen Debüt in UK und den USA mächtig einschlug. Die Ausstattung dieses „Fantasy-Thrillers“ präsentiert sich mit Schauplätzen wie Altima oder Bartokhrin zwar durchaus artgerecht, beim Plot hingegen dürfte McGann seine Phantasie nicht gerade überstrapaziert haben. Es geht um zwei verfeindete Länder: Auf der einen Seite eine säkularisierte, fortschrittsgläubige, präpotente Militär- und Wirtschaftsmacht, auf der anderen ein ebenso stolzes wie armes Volk, dessen Gesellschaft durch strenge Traditionen, feudale Strukturen und religiösen Fundamentalismus bestimmt ist. Als die eine Seite zur Unterstützung ihrer kapitalistischen Interessen die Luftwaffe einsetzt, antwortet die andere mit Selbstmordattentätern. Und mitten in dem eskalierenden Wahnsinn werden ein Junge und ein Mädchen gejagt, weil sie versuchen, die jeweils andere Seite zu verstehen … Fazit: Die Fantasy-Welle hat die politische Parabel geflutet.
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