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iPOD also bin ich / Dylan Jones



iPOD also bin ich

Dylan Jones


Piper Verlag
Erscheiungstermin: 03/2006
Übersetzer: Franca Fritz und Heinrich Koop
Rezension ist von 03/2006
Leserschwert-Genre: Zeitgeist

High iPodity

„Der iPod hat sich in mein Leben gedrängt wie kein anderes Objekt zuvor. Er erwartet mich in meinem Arbeitszimmer und fordert mich auf, mit ihm zu spielen, wie eine Art Sexspielzeug. Denn der iPod ist nicht nur die größte Erfindung seit den Dingern, von denen jedes Auto im Allgemeinen vier Stück hat, oder den dünnen Brotscheiben, die man abgepackt bekommen kann, sondern ganz offensichtlich auch ein Objekt der Begierde. Ich bin verliebt – und ich glaube, es ist was Ernstes …“ Das mit den Brotscheiben kapier’ ich zwar nicht, trotzdem klingt das Ganze schwer nach einer quasireligiösen Erfahrung mit latent autoerotischen Einschlüssen; so, als hätte dem Mann der Biss in den Apple in einer Art Retourkutsche zum biblischen Schöpfungsmythos (bei der Steve Jobs den Job der Schlange übernahm) das Paradies geöffnet. Nun, im Allgemeinen sollte die Vorsicht Walter heißen, wenn ein vom Zeitgeist Erleuchteter zum Evangelium bläst, aber im Fall von Dylan Jones muss man zwei Dinge bedenken: erstens ist er einer der einflussreichsten Musikkritiker Großbritanniens und zweitens Chefredakteur von „GQ“, also kein Lifestyle-Opfer, sondern ein Täter. So gesehen kann man von Glück sprechen, dass ihn die Liebe zu seinem iPod vielleicht blind, aber sicher nicht taub gemacht hat. Denn unter dem ermüdenden Loblied auf das erfolgreichste Lifestyle-Accessoire der Gegenwart schlummert eine viel größere Liebe: die zur Musik. Und aus dieser Beziehung hat Dylan Jones tatsächlich einiges zu berichten. Der trotz massivem Einsatz lässiger Mode-Tünche ganz offensichtliche Versuch, Nick Hornbys Rillenkult „High Fidelity” ins mp3-Zeitalter zu transkribieren, ist zwar sowohl formal als auch sprachlich gescheitert, ein playlistiges Stück Musikgeschichte liefert dieses iBook aber allemal.

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