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Die Korrekturen / Jonathan Franzen



Die Korrekturen

Jonathan Franzen


Rowohlt Verlag
Übersetzer: Bettina Abarbanell
Rezension ist von 7/2002
Leserschwert-Genre: Genre auswählen

Der Sirenengesang der Lebenslüge

Ist schon erstaunlich, wie so ein Hype entsteht. Selten zuvor surfte ein US-Autor mit einem an sich biederen Brettl auf einer derart rauschigen Erfolgswelle über den großen Teich. Nachdem das Buch mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, dauerte es nicht lange, bis das deutschsprachige Feuilleton dominoprinzipiell von multiplen Kritikerorgasmen erschüttert wurde. Ein echtes Jahrzehnte-Tamtam. In den 80ern war’s Bret Easton Ellis mit „American Psycho“. Zu Recht. In den 90ern Douglas Coupland mit „Generation X“. Zu rechter Zeit. In den 00ern Jonathan Franzen …
Zu Recht. Denn diese 780 Seiten starke Mittelstands-Familienchronik, die daherkommt wie ein Gesellschaftsroman aus dem letzten Jahrhundert, trifft den Nerv der Zeit an seinem blankesten Ende. Franzen erlaubt sich sowohl formal als auch stilistisch Ausreißer der übelsten Sorte, aber er tut das nicht ohne Plan. Das ganze Buch wirkt irgendwie planmäßig planlos, alle Ecken des Zeitgeists werden angeknabbert, manche brodelnd heiß verschlungen, andere seziert und kalt abserviert. Franzen treibt die Wahrheit mit seinen Korrekturen sukzessiv in Richtung Wirklichkeit. Nicht umgekehrt, und das ist das Faszinierende an diesem Buch. Franzen verdünnt. Er kämpft nicht gegen die Lügen des Lebens an, sondern er kämpft mit ihnen für das Leben.
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