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Das blaue Kleid / Doris Dörrie



Das blaue Kleid

Doris Dörrie


Diogenes Verlag
Rezension ist von 6/2002
Leserschwert-Genre: Erzählkunst

Die Liebe, der Tod, die Liebe …

Das tomatenrote Wickelkleid von ’96, die schwarzen Kaschmirschlaghosen von ’98, das cremeweiße Satinetuikleid von ’99 – und das blaue Kleid vom Frühling 2000. Florian, der als emotionales Ablenkungsmanöver eine Modeschau zum Gedenken an seinen verstorbenen Geliebten Alfred, einen Couturier, plant, sieht die genialsten Stücke aus jeder Kollektion bereits vor seinem geistigen Auge über den Laufsteg defilieren. Doch als er die ebenfalls vom Schicksal heftig hergeprügelte Babette trifft, der Alfred verkaufseuphorisch versprochen hatte, dass „dieser Traum aus mittelmeerblauem Organza ihr Leben verändern wird“, weiß Florian noch nicht, wie wahr diese Prognose war – und dass diese wankelmütige Magie offenbar übertragbar ist …
Doris Dörrie, deren neuer Film „Nackt“ im September in die Kinos kommt, wird gerne, und nicht zu Unrecht, als Multitalent bezeichnet, etwas generöser betrachtet konzentriert sich ihr Talent aber auf eine große Kunstform: das Erzählen. Egal, ob hinter der Kamera oder vor der Tastatur, Dörrie beherrscht es, aus sehr unaufdringlichen stilistischen Mitteln pralle Lebendigkeit zu schöpfen und dabei eines nie aus dem Auge zu verlieren: die Träne, die das Lachen mit dem Weinen vereint. Tatsächlich habe ich selten ein Buch gelesen, das die Tonnenthemen Liebe & Tod so lebensleicht unter eine Decke steckt.
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