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Verschollen in Vegas / Tim Gautreaux



Verschollen in Vegas

Tim Gautreaux


Rowohlt Verlag
Rezension ist von 3/1998
Leserschwert-Genre: Stories

Übers Leben und übers Überleben

„Der Pumpenmann war vorsichtig. Er sah die trockene Rinne in der Fahrspur und schaltete zurück, um den Lastwagen langsam durchzufahren. Die dünnen Reifen seines alten Ford federten heftig, und die Achse schrammte über den Straßenbuckel. Einige Amseln stoben aus dem trockenen Gestrüpp und schossen über den Himmel wie eine geschleuderte Handvoll Kies. Er fragte sich, wie weit er noch über den Feldweg mußte, um sein Ziel zu erreichen. Als die Frau ihn im Motel angerufen hatte, war sie bei der Wegbeschreibung unsicher gewesen, als wüßte sie nicht genau, wo ihr eigenes Haus lag …“
Dafür wissen wir bereits im ersten Absatz der ersten Geschichte, wo die Stories von Tim Gautreaux angesiedelt sind – im tiefsten US-amerikanischen Hinterland. Im Nowhereland. Dort, wo aus Prinzip genau nichts passiert, und die Menschen sich daran gewöhnt haben, vegetativ auf das Leben zu reagieren. Aus dieser landschaftlich wie geistig kargen Ecke kitzelt Gautreaux mit unglaublichem Einfühlungsvermögen literarische Miniaturen, in denen er diese „kleinen“ Leute mit großen Ereignissen konfrontiert. Egal, ob das Schicksal mit emotionaler Subversion ankriecht oder mit einer handfesten Katastrophe zuschlägt, die Reaktionen der wunderbar vielschichtig platten Charaktere führen einem den Lebenskampf – den eine Laune der Natur von einer Sekunde zur anderen in einen Überlebenskampf verwandelt – in seiner pursten Form vor Augen. „Verschollen in Vegas“ – ein spannendes Short-Story-Debüt, das hoffentlich bald „erwachsenen“ Romannachwuchs bekommt.
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