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Die Frauen gehören den Siegern

Herbert Berger


Feldmann & Wenninger Verlag
Rezension ist von 1/1998
Leserschwert-Genre: Stories

Geschichten aus der Männerwelt

„Die Frauen gehören den Siegern“. Die tadellose politische Unkorrektheit dieses Titels weckt polare Neugier – die allerdings nicht befriedigt wird. Denn hinter dem Titel verbirgt sich weder die erhofft/befürchtete Abrechnung mit traditionellem männlichen Genitalgedankengut, noch die erhofft/befürchtete Reflexbewegung auf den zeitgeistig-feministischen Tritt in eben dieses, sondern lediglich der Titel der ersten von insgesamt sechs „Geschichten aus der Männerwelt“.
Trotzdem überlebt die Neugier. Denn der österreichische Autor Herbert Berger fährt in seinen Stories und Monologen einen rasanten Perspektivenwechselkurs, der den Leser immer wieder mit gekonnter Unmittelbarkeit aus der Position des distanzierten Beobachters schleudert und plötzlich mitten ins Geschehen saugt. Seine Texte – die von der realistischen, zeitgeschichtlichen Episode aus dem Balkankrieg bis zur phantastisch-skurrilen Märchenparaphrase und von zornerfülltem Mitleiden bis zum bissig-ironischen Zynismus reichen – erzielen dadurch etwas Aufschnitthaftes, wirken in vielen Momenten wie Konzentrate oder zentrale Kapitel aus Romanen. Herbert Bergers Geschichten kommen direkt aus dem Kampf zwischen der Notwendigkeit des Erzählens und der Lust am Komprimieren (oder umgekehrt), einem Kampf, aus dem der Autor stets – wenn auch manchmal ein wenig angeschlagen – als Sieger aussteigt. Ob ihm deshalb die Frauen gehören, bleibt allerdings ein Geheimnis …
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