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Die Taxifahrerin / Marcus Ingendaay



Die Taxifahrerin

Marcus Ingendaay


Rowohlt Verlag
Übersetzer: Übersetzer
Rezension ist von 9/2003
Leserschwert-Genre: Seltsam

Taxifahrt in den Wahnsinn

Chris ist vierundzwanzig und Taxifahrerin. Sie ist funktionale Analphabetin, sie ist lesbisch, sie ist ein Fan von „Xena“ und sie ist ein praktischer Beweis für die Chaostheorie. Ihre launische Freundin Yve hat sie gerade verlassen, und durch die Umstellung des Funkverkehrs auf ein für Chris undechiffrierbares computergestütztes System dürfte auch ihr Job bald in einer Sackgasse landen. Doch dann steigt eines Nächtens Gudrun in ihr Taxi – elegant, impulsiv, faszinierend. Und völlig irre. Chris verliebt sich in die schöne Unbekannte und landet schnurstracks in einer bizzaren, hoch psychotischen Fantasiewelt voller Rachegefühle und Mordlust …
Für ein Debüt kommt dieser Roman verdammt stilsicher daher – was aber nicht allzu verwunderlich ist, denn Marcus Ingendaay verdient seine Alltags-Brötchen als Übersetzer und bewies seine große (und mehrfach ausgezeichnete) Klasse u.a. anhand so unterschiedlicher Sprachgewaltler wie William Gaddis oder David Foster Wallace. Die nuancenreiche Tiefenschärfe und die fantastische Dialogführung, die mit lakonischer Selbstverständlichkeit daherkommen, während Ingendaay an den zarten Marionettenfäden der Manipulation zupft und seine abgedrehte ,Lovestory‘ in ein Spiegelkabinett des alltäglichen Wahnsinns lockt, sind aber selbst für einen literarischen Profi äußerst bemerkenswert.
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