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Sarah / J.T. LeRoy



Sarah

J.T. LeRoy


Reclam Verlag
Rezension ist von 5/2003
Leserschwert-Genre: Biografie

Ohne Zweifel gibt’s keine Verzweiflung

Dieses Buch ist eines der seltsamsten, die ich jemals gelesen habe. Eigentlich müsste es schockierend, zumindest extrem verstörend sein, denn J.T. LeRoy erzählt die – hart spürbar autobiogefärbte – Geschichte eines Buben, der durch die pädophile Hölle des Straßenstrichs gejagt wird. Er wird aber nicht gejagt. Er lebt bloß darin. Weil er nichts anderes kennt. Seine Mutter ist eine billige Trucker-Hure, und er will sein wie sie, Sarah gefallen. Dieses Buch ist dort berührend, wo jede Berührung abstoßend wird.
Wenn J.T. über seinen horizontalen Aufstieg zur umworbenen „Lizard“ berichtet, schwingt statt Hass oder Verzweiflung sehnsüchtige Zärtlichkeit, unverkrampfter Humor und kindliche Hoffnung durch die Zeilen, deren unfassbare Naivität einen eiskalt erwischt. Ein 12-jähriger Bub wird vom Leben gefickt – das ist keine schöne Welt, das ist die grauenhafteste Welt, die man sich überhaupt vorstellen kann; vorausgesetzt, man kann sich eine andere vorstellen. J.T. konnte das nicht. Sein „offener“ Blick sucht in einem schmutzigen Rahmen nach sauberen Bildern und findet sie. Heute ist T.J. LeRoy 23 Jahre alt und ein gehypter Literaturstar („Provokateur“™), „Sarah“ wird demnächst von Regiekaliber Gus van Sant verfilmt, und das Ganze schmeckt stark nach einem schrill-grimmigen Märchen. Schwer zu packen, wie „unecht“ die Realität zuschlagen kann.
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