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Der kurze Schlaf / Jonathan Lethem



Der kurze Schlaf

Jonathan Lethem


Heyne Verlag
Übersetzer: Biggi Winter/Michael Zöllner
Rezension ist von 10/2005
Leserschwert-Genre: Wahnwitz

Die Anfangsbuchstaben eines großen Namens

Tja, mit Wertfreiheit ist der Literatur medial kaum beizukommen. Hier ein hübsches Beispiel: Dieses Buch erschien schon einmal (1998) bei Heyne als TB und zwar unter dem anmutigen Titel „Knarre mit Begleitmusik“ („Gun with occasional Music“). Damals war der amerikanische Autor Jonathan Lethem ein schnurziger Noname, sein Debüt schaffte zwar den Sprung über den großen Teich, schlug aber keine nennenswerten Wellen. Dann kam „Motherless Brooklyn“, dann kam „Als sie über den Tisch kletterte“, dann kam „Die Festung der Einsamkeit“ – eines besser als das andere, und Mr. Lethem wurde Oberkante Unterlippe mit internationalen Literatur-Awards eingedeckt. Und, siehe da, plötzlich betrachtete die Kritikerzunft auch das Erstlingswerk mit intellektueller Hingabe. (CITY schrieb übrigens bereits in der Nummer 42/98 von einem „Sci-Fi-Must“). Wie dem auch sei: Die nach dem klassischen Sex-&-Crime-Rezept à la Raymond Chandler zubereitete und in einem grotesk geheizten Fiktions-Hochofen à la Philip K. Dick überbackene Story des „Privatinquisitors“ Conrad Metcalf ist auf jeden Fall eine wunderbare Gelegenheit, einen auffällig potenten Autor in jener Phase seines Schaffens zu erlesen, wo er sich, wie’s so schön heißt, nix g’schissen hat. „Der kurze Schlaf“ ist nicht so geschliffen wie jene Lethems, die durch die Bestsellerlisten wirbelten, dafür aber innen blutiger. Pathetisch ausgedrückt: ein Rohdiamant, dessen Titel sich durchaus auf den Leser bezieht.
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