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Der Zorn / Denis Marquet



Der Zorn

Denis Marquet


Bastei Lübbe Verlag
Übersetzer: Helga Migura
Rezension ist von 4/2004
Leserschwert-Genre: Thriller

Ein Sattelfest für apokalyptische Reiter

Das wars dann wohl; kerngesunde Menschen brechen plötzlich tot auf der Straße zusammen, am Himmel ist kein einziger Vogel mehr zu sehen, schnucklige Haustiere mutieren zu unberechenbaren Bestien, der Ozean verschlingt ahnungslose Schwimmer, auf den Bäumen wächst giftiges Obst, Erdbeben, Tornados und Springfluten heben in einem apokalyptischen Konzert zum großen Schlussakkord an. Die Menschheit steht vor dem Ende. Und weiß nicht, wo es seinen Anfang genommen hat. Nur zwei Menschen ahnen, was wirklich passiert …
Eines kann man dem jungen französischen Philosophieprofessor Denis Marquet wahrlich nicht vorwerfen: dass er das Thema Buchschreiben sachte anging. Sein Debütroman, der sich in Frankreich mit medialem Turboschub an die Spitze der Bestsellerliste katapultierte, ist ein 570 Seiten fetter Endzeitthriller, der gleich an mehreren intellektuellen Fronten für Verstörung sorgt. Da kreuzen sich beim Kampf gegen den Weltuntergang, den Marquet gut getimt aus beklemmenden Short-Cuts zusammenbastelt, interessante naturwissenschaftliche und philosophische Ansätze mit kruden Verschwörungstheorien und esoterischen Heilsvisionen, Realität und Fiktion stehen sich mitunter gegenseitig übel im Weg rum und auch sprachlich bietet Marquet die volle Palette vom fein ziselierten Stimmungsbild bis zur Holzhammerphrasendrescherei. Unterm Strich zeigt „Der Zorn“ aber trotz dieser seltsamen Niveau-Kurven Wirkung; vermutlich sogar mehr als eine geradlinige Warnung – denn die gehen uns erfahrungsgemäß ja voll am A vorbei.
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