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Das Meer der Wahrheit  / Andrea De Carlo



Das Meer der Wahrheit

Andrea De Carlo


Diogenes Verlag
Erscheiungstermin: 10/2008
Übersetzer: Maja Pflug
Rezension ist von 10/2008
Leserschwert-Genre: Beziehung und so

Emotionale Sturmwarnung

Der Wind drehte vor ein paar Jahren. Damals hockte Andrea De Carlo mit eingezogenem Schwanz in einem tiefen literarischen Jammertal, eingelullt in lauwarmes Selbstmitleid, den verklärten Blick auf den eigenen Nabel fixiert. Der gefeierte Kultautor aus Italien hatte sich gerade mit Romanen wie „Die Laune eines Augenblicks“ (2001) oder „Pura Vita – Das wahre Leben“ (2002) eigenhändig den Sockel unterm Hintern weggezogen, die schwülstige Larmoyanz, die aus seinen unentschlossenen Sätzen triefte, war selbst für den treuesten Fan kaum zu verdauen. De Carlo war gerade fünfzig geworden.
Ganz unerwartet kam das nicht. Denn der 1952 in Mailand geborene Womanizer mit dem glutigen Blick langte bereits früher herzhaft in die emotionale Kiste – damals allerdings mit der entwaffnenden Sorglosigkeit des romantischen Revoluzzers. Tatsächlich zählte der unbeschwerte Umgang mit den klebrigen Momenten des Lebens immer zu De Carlos größten stilistischen Stärken. Der Mann bewegte sich mit der Trittsicherheit eines Schlafwandlers an der Grenze zum zwischenmenschlichen Kitsch – was Romanen wie „Techniken der Verführung“ (1993) oder „Arcodamore“ (1995), vor allem aber seiner fulminanten 68er-Chronik „Zwei von zwei“ (1989) eine berauschende Intensität verpasste. Doch dann überschritt Andrea De Carlo – offenbar im Taumel einer heftigen Lebensmittelkrise – diese heikle Grenze. Und landete im Jammertal.
Der Wind drehte 2004 mit dem Buch „Wenn der Wind dreht“. Der Durchhänger schien überstanden. Denn in dieser boshaften Abrechnung mit der Business-Class moderner Lebenslügner, wetzte De Carlo seine Feder endlich wieder dort, wo sie Schärfe und Präzision aufnimmt: an den emotionalen Kanten seiner Figuren. Und dank seines neuen Romans „Das Meer der Wahrheit“, der dieser Tage in die Buchhandlungen wandert, darf nun endgültig Entwarnung gegeben werden: Andrea De Carlo ist zurück; zwar älter, aber doch der alte. Das zeigt sich schon allein in der Zeichnung seiner Hauptfigur Lorenzo, einem reifen Spross des römischen Großbürgertums, den die als Boheme getarnte Dekadenz seiner Familie so massiv anstinkt, dass er sich eines Tages in eine einfache Blockhütte in der apenninischen Wildnis absetzt. Damit ist der erste Schritt getan, denn mit Rebellen kann De Carlo traditionell gut.
Da aber so ein Gesellschafts-Rebell in der Einsiedelei naturgemäß kaum Entfaltungsmöglichkeiten findet, schickt De Carlo sein Alter ego bereits zu Beginn der Geschichte wieder nach Rom zurück – zum Begräbnis seines berühmten Vaters. Und zum Aufdecken eines mörderischen, politischen Komplotts, in dem auch sein machthungriger Bruder Fabio Oberkante Unterlippe drinsteckt. Viel wichtiger allerdings ist, dass die schöne nordische Menschrechtsaktivistin Mette ebenfalls drinsteckt, und Andrea De Carlo somit alle Ingredienzen beisammen hat, die er für eine Story, die ordentlich knistert, braucht: einen etwas weltfremden Revoluzzer, eine rätselhafte Schönheit und ein aufregendes Drumherum, das die beiden in Stellung bringt.
Wer jetzt denkt, der Plot klingt ein wenig platt, der denkt richtig. Aber um den Plot ging es bei De Carlo eigentlich nie so sehr. Sondern um die Chronologie von Beziehungen und – ja, nennen wir’s beim Namen – um zwischenmenschliche Gefühle. Und um die lebensecht unter die Haut zu bringen, braucht ein Autor weit mehr als eine Sprachpalette, die so präzise nuanciert, dass jedes Lächeln gleichzeitig den richtigen Schatten wirft und jede Bewegung dem Spiel eine neue Richtung geben kann. Er braucht vor allem den Mut zur dramatischen Intensität, zur nackten Banalität und zur menschlichen Lächerlichkeit. In seiner reinsten Form findet man diesen Mut vermutlich im Jammertal.
Bewertung

Weitere Bücher von Andrea De Carlo bei Leserschwert:
» Die Ganz große Nummer / Andrea De Carlo
» Arcodamore / Andrea De Carlo
» Wir drei / Andrea De Carlo
» Pura Vita – das wahre Leben / Andrea De Carlo
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