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Der König von Mexiko  / Stefan Wimmer



Der König von Mexiko

Stefan Wimmer


Eichborn Verlag
Erscheiungstermin: 05/2008
Rezension ist von 04/2008
Leserschwert-Genre: Real Life

Der deutsche Desperado

Autoren, die das pralle Leben mit einer Hand am Sack packen und mit der anderen einen Roman hinschlenzen, der in diesem Sinne packend ist, sind im deutschen Sprachraum ungefähr so weit verbreitet wie leptosome, fahlgesichtige Chefärzte im Hauptabendprogramm von Privatsendern. Mit der billigen Unterstellung, ein Großteil der deutschsprachigen Schriftsteller wäre ein Haufen von knorrigen Secondhand-Lebewesen, lässt sich dieser Mangelerscheinung freilich nicht beikommen; schon eher mit jener, dass der begleitende Feuilletonismus Kraft seiner Selbstherrlichkeit noch immer mit modrigem Atem den Unterschied zwischen ,Unterhaltungsliteratur’ und ,Ernster Literatur’ predigt – was im Wesentlichen so aussieht, dass unterhaltsame Literatur schlichtweg nicht ernst genommen wird. Das führt zu seltsamen Konstruktionen. Wie etwa jener der so genannten „Deutschen Popliteratur“, die Ende der 90er Jahre im Kielwasser ihrer eitlen Galionsfigur Benjamin von Stuckrad-Barre mediale Wellen schlug. Obwohl sich deren größte Errungenschaft auf die konsequente Verwechslung von echter Lässigkeit mit gekünstelter Avantgarde reduzierte, hagelte es Vergleiche mit der legendären US-Beat-Generation um Kerouac, Burroughs & Co. Das ist lächerlich: zur Großwildjagd eignen sich Platzpatronen nicht.
Viel Genörgel, aber zweckgebunden – weil die Regel nun einmal das bevorzugte Einsatzgebiet der Ausnahmeerscheinung ist. Also, Vorhang auf für Stefan Wimmer!
Der 1969 in München geborene Autor und Journalist hat bereits 2005 in seinem umwerfenden Episodenroman „Die 120 Tage von Tulúm“ (der nun ebenfalls bei Eichborn neu aufgelegt wurde) ein radikal-komisches Stück moderner Literatur abgeliefert, das man ohne Stilbruch zwischen Hunter S. Thompson und Philipp Djian ins Bücherregal stellen konnte. Und sein zweiter Roman „Der König von Mexiko“ hält, was der erste versprochen hat. So ein Buch kann nur einer schreiben, der diese Geschichte zumindest bis zu dem Punkt erlebt hat, wo die Vorstellungskraft so befruchtet wird, wie man das im Biologieunterricht lernt. Das spürt man.
Der Held der Geschichte ist Ingo Falkenhorst, dessen charakterliche Stärken bereits im Klappentext sehr trefflich vorgestellt werden: „Stets knapp an Geld, aber reich an körpereigenem Testosteron, körperfremden Alkoholika und sonstigen Drogen hängt ein etwas heruntergekommener deutscher Germanistikstudent im Nachtleben von Mexiko-City ab. Sein Ziel: statt der Literatur das pralle Leben zu studieren und seiner einzigen Geldquelle, eines deutschen Doktorandenstipendiums, auch ohne Doktorarbeit nicht verlustig zu gehen.“ Von einem simplen Drogenroman ist dieses Buch aber trotzdem so weit entfernt wie München von Mexiko. Erstens, weil Wimmer, der selbst drei Jahre in Mexiko-City lebte, seinem Alter Ego Falkenhorst zwischen dessen nächtlichen Streifzügen, bei denen die Stipendiengelder direkt in die angesagten Bars und verlausten Cantinas der Stadt fließen, genügend Reportage-Spielraum lässt, um Land und Leute aus einer herrlich schrägen Perspektive zu präsentieren. Zweitens, weil ihm der Zufall eine völlig groteske Liebesbeziehung mit einem Mädchen aus gutem Haus zwischen die Beine prügelt. Und drittens, weil die Story in der Mitte zurück nach Deutschland kippt, wo sich Ingo Falkenhorst in die tiefere Bedeutung des modernen Lifestyle-Journalismus fräst.
Zusammengehalten wird das alles von zwei Dingen: dem authentischen Rhythmus des Lebens und Wimmers meisterhaftem Talent, diesem Rhythmus eine sprachliche Melodie zu verpassen, die das Leben in Poesie verwandelt. Intelligent, zynisch, zärtlich und sagenhaft lustig. So gesehen lässt sich die Widmung, die der Autor seinem literarischen Egotrip mit auf den Weg gibt, eigentlich nur als kokette Breitseite auf den deutschen Literaturbetrieb lesen. Denn dort steht: „Dieses Buch dient vornehmlich der Unterhaltung. Es ist den Farelly-Brüdern gewidmet.“ Lesen!



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