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Traveler / John Twelve Hawks
Willkommen in der Zukunft, die längst begonnen hat. Internet, Video-Überwachung, ...

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Dark River - Das Duell der Traveler / John Twelve Hawks



Dark River - Das Duell der Traveler

John Twelve Hawks


Page & Turner Verlag
Erscheiungstermin: 06/2008
Übersetzer: Eva Bonné
Rezension ist von 06/2008
Leserschwert-Genre: Mystery
1 Besucherkommentar zu diesem Buch.

Großer Bruder

Als Ende des 18. Jahrhunderts die Industrielle Revolution langsam in die Gänge kam und ganze Arbeiterfamilien fröhlich singend in den Fabriken des Wirtschaftsliberalismus verschwanden, lebte in London ein Mann von außergewöhnlicher visionärer Begabung. Er hieß Jeremy Bentham, war Jurist, Philosoph und leidenschaftlicher Hobby-Architekt und entwarf das so genannte ,Panopticon’. Dabei handelt es sich um ein Konzept zum Bau von kreisförmigen Anlagen (Fabriken, Gefängnisse und ähnliches), in deren Zentrum ein Beobachtungsturm steht, der es einem einzelnen Wächter ermöglicht, alle Insassen des Gebäudes zu überwachen – wobei ein perfides Spiel aus Licht und Gegenlicht dafür sorgt, dass die Gefangenen niemals wissen, ob sie gerade beobachtet werden oder nicht. Der totale Feuchttraum des Großen Bruders.
In John Twelve Hawks „Traveler“-Trilogie, die nun mit dem Roman „Dark River“ in die zweite Runde geht, zeigt sich dieser Große Bruder in Gestalt der mächtigen, internationalen Bruderschaft Tabula, die ihr modernes Panopticon mit einigen technischen Finessen aufgerüstet hat. An Stelle des Wächters thront nun ein fettes Computersystem im Zentrum der Macht, als Augen und Ohren fungieren hochgezüchtete Programme zur Auswertung von Daten aus Überwachungskameras, Internet, Mobilkommunikation, Navigationssystemen, Security-Scans, Kreditkarten etc. und statt einem einzelnen Gebäude wird gleich der gesamte Planet überwacht – mit dem sympathischen Ziel, ihn in einen goldenen Käfig aus exakt inszenierten Bedürfnissen zu verwandeln.
Nun, soweit ist das nichts Neues. Was aber Hawks Plot aus der Masse an gläsernen Menschen, die sich in der jüngeren Literaturgeschichte tummeln, heraushebt, sind die Figuren, die er den finsteren Mächten entgegenstellt: die Traveler. Angehörige dieser seltenen Spezies verfügen nämlich über eine metaphysische Begabung, die es ihnen ermöglicht, in Parallelsphären der Welt zu reisen und so den System-Raster der Schurkenbruderschaft subversiv zu unterwandern. Was natürlich zur Folge hat, dass die paramilitärische Eingreiftruppe der Tabula, die erst bei zweistelligen Opferzahlen richtig warm wird, den letzten frei lebenden Traveler (und somit den Helden dieser Geschichte) mit geradezu religiösem Eifer jagt. Und damit diese Jagd nicht langweilig wird, greift Hawks erneut tief in die Trickkiste der Personalabteilung und zaubert die sogenannten Harlequins aus dem Hut – knallharte Schutzengel, die ihre martialischen Kampfkünste in den Dienst der Traveler stellen.
Auf diese Weise gelingt es John Twelve Hawks, seine durchaus realistischen Visionen der totalen Überwachung auf die Matrix eines rasanten Action-Thrillers zu spannen, der niemals Gefahr läuft, als oberkluger Warnhinweis auf eine Zukunft, die längst begonnen hat, zu verkommen. Andererseits driftet der ganze ,Traveler’-Hokuspokus aber auch nie so weit in Fantasy-Gefielde ab, die dem Kampf um die Freiheit des Individuums nicht zumindest auch eine ethisch-ideologische Lesart offen ließen.
Denn dass John Twelve Hawks sein Thema recht ernst nimmt, lässt sich aus der Tatsache ableiten, dass man so gut wie nichts über die reale Person weiß, die sich hinter diesem Pseudonym versteckt. Zwar hat der Autor, der angeblich sogar mit seinem Verleger ausschließlich via Satelliten-Telefon kommuniziert, in einem anonymen Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung unlängst bestätigt, dass er Amerikaner und alt genug sei, um die Überwachungsmethoden der DDR noch selbst kennengelernt zu haben, darüber hinaus reduziert sich die Biografie von Mr. Hawks aber auf seinen überaus gern zitierten Stehsatz: „Ich lebe außerhalb des Rasters.“ Und auch wenn dahinter lediglich eine fein konzertierte PR-Strategie steckt und Hawks Grundintention viel eher mit der Erkenntnis „Ich lebe außerhalb des Zasters“ einherging, ändert das nichts daran, dass sein „Traveler“ zu einer spannenden Reise in das Genre-Grenzgebiet lädt, wo sich George Orwell und James Bond gute Nacht sagen.
Bewertung

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 1 Kommentar zu diesem Buch.

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Aike Duden schrieb am 27.11.09, 22:56Also nun !!! Nach dem spannenden Auftakt mit dem Buch Traveler nun die Fortsetzung mit DARK RIVER. Also ab in die Buchhandlung und mit totaler Euphorie das Taschenbuch bestellt. Leider ist es wie immer mit den Fortsetzungen. Aus einem guten Thema wird in der Fortsetzung leider ein langweiliger 2. Teil. Am Anfang wird noch mal in kurzen Absätzen die Handlung des 1. Buches erzählt und dann geht es langsam und eintönig weiter. Nur zum Schluss gibt der Autor wieder Vollgas und versucht in den letzen Kapiteln ein bisschen Spannung aufkommen zu lassen. Das Ende ist wie im ersten Buch!! Keiner weiß wie es weitergeht. Also versucht der Autor wohl nochmal ein drittes Buch am Markt zu platzieren. Es ist wie mit der Matrix Trilogie. Am Anfang total spannend und am Ende ..... Schade, es hätte was werden können. Cu Aike, der leider im Raster lebt


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