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Bad Monkeys / Matt Ruff



Bad Monkeys

Matt Ruff


Hanser Verlag
Erscheiungstermin: 02/2008
Übersetzer: Giovanni und Ditte Bandini
Rezension ist von 03/2008
Leserschwert-Genre: Wahnwitz

Guter Affe

Ein weißes Zimmer. Weiße Wände. Weiße Decke. Weißer Fußboden. Ein Mann in einem weißen Kittel. Das einzige, was Farbe in diese klinisch-sterile Szenerie bringt, ist der grell orangefarbene Gefängnis-Overall, den Jane Charlotte trägt. Sie sitzt im „Beklopptentrakt“, der psychiatrischen Abteilung der Strafvollzugsanstalt Clark County in Las Vegas. Ihr gegenüber sitzt Dr. Vale. Er soll herausfinden, ob Jane – die angeklagt ist, einen Mann kaltblütig ermordet zu haben – geistig zurechnungsfähig ist oder nicht.
„So … Sie haben den festnehmenden Beamten gesagt, dass Sie für eine Geheim¬organisation zur Verbrechensbekämpfung namens ,Bad Monkeys’ arbeiten.“
„Nein“, sagt sie.
„Nein?“
„Wir bekämpfen nicht das Verbrechen, wir bekämpfen das Böse. Das ist nicht das Gleiche.“
Knapp 250 Seiten später, weiß man, dass Jane Recht hat: Es ist nicht das Gleiche.
Matt Ruff wird seinem Ruf gerecht. Die als karges Kammerspiel angelegte Rahmenhandlung seines neuen Romans ist lediglich eine – und nebenbei bemerkt eine verdammt kurz bemessene – Zündschnur zu einem explosiven Plot, der wieder einmal sämtliche literarischen Genre-Grenzen sprengt. Bereits nach wenigen Leseminuten macht’s mächtig Kawumm!, und die einzelnen Versatzstücke aus den Schub-laden mit den Aufschriften ,Thriller’, ,Mystery’, ,SciFi’, ,Entwicklungsroman’ und ,Slapstick-Satire’ fliegen einem prächtig um die Ohren.
„Sie werden bloß denken, dass ich verrückt bin. Das tun Sie wahrscheinlich sowieso schon.“
„Ich werde mich bemühen, unvoreingenommen zu bleiben.“
„Das wird nichts nützen.“
Und wieder hat Jane Recht.
Denn die zutiefst seltsame Lebensgeschichte, die Jane dem ihr zugeteilten Gott in Weiß auftischt, ist nicht nur komplett irre, sondern auch irre komplett. Jedes Mal, wenn eine kleine Ungereimtheit, ein logischer Widerspruch oder eine glatte Lüge auftauchen, öffnet Jane einfach die Hintertür zu einem noch abwegigeren Gedankengang, um dort das manipulative Psycho-Pingpong zwischen Sein und Schein ganz nüchtern auf den Boden ihrer Realität zu bringen. Und genau dieser Spielraum, in dem Spannung, Phantasie und Komik einander auf Augenhöhe begegnen, ist das angestammte Hoheitsgebiet von Matt Ruff. Er nützt ihn nicht nur, um die Zügel der seiner Story ordentlich schnalzen zu lassen, sondern auch um gewichtige Fragen in eine Gedankenwelt ohne moralische Anziehungskräfte zu schleudern. Was ist gut? Wer ist böse? Und: Warum hasst der schlechte Affe seinen eigenen Geruch?
„Bad Monkeys“ ist somit ein weiterer Beweis dafür, dass der 1965 im großen Apfel geborene Schriftsteller zu den wenigen seiner Zunft zählt, denen es gelungen ist, aus der Totalverweigerung literarischer Parameter einen eigenen, unverwechselbaren Stil zu kreieren. In den meisten Fällen verenden derartige Crossover-Experimente in einer erbärmlichen Suhle aus selbstgefälliger Skurrilität, Matt Ruff aber brachte es den Titel ,Kultautor’. Und das bereits mit seinem ersten Buch „Fool on the Hill“ (1991), einer fulminanten Mischung aus Campus-Roman, Tierfabel, Liebesgeschichte, Fantasy und Horror-Slasher (und gleichzeitig seine Diplomarbeit), in der Ruff die einzige Methode, die Genre-Grenzen der Literatur tatsächlich überflüssig zu machen, zur Meisterschaft trieb – nämlich indem man sie von selbst ineinander fließen lässt.
Darauf angesprochen meinte Ruff einmal: „Mein Vater kommt aus Detroit, meine Mutter ist eine Missionarstochter, die in Südamerika aufwuchs, daher war meine ganze Erziehung eine Art multikulturelles Experiment. Und so kommt es, dass ich in meinen Büchern gerne völlig verschiedene Persönlichkeiten aufeinander treffen lasse, Menschen und Tiere und andere Dinge, die normalerweise überhaupt nichts miteinander zu tun hätten. Und dann schaue ich, wie die miteinander zurechtkommen.“
Nun, bisher ganz vorzüglich.

Bewertung

Weitere Bücher von Matt Ruff bei Leserschwert:
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