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Sniper / Lee Child



Sniper

Lee Child


Blanvalet Verlag
Übersetzer: Wulf Bergner
Rezension ist von 01/2008
Leserschwert-Genre: Suspense
1 Besucherkommentar zu diesem Buch.

Die Wahl der Waffen

Was tut ein erfolgreicher britischer TV-Programmdirektor, der im Alter von 41 Jahren hochkant gefeuert wird, weil er sich, nach Auffassung der Chefetage, ein wenig zu intensiv in der Gewerkschaft engagiert? Er analysiert seine Lage. Und kommt zu folgenden Schlussfolgerungen. Erstens: In der Fernsehbranche ist er als kämpferischer Ex-Betriebsrat ungefähr so willkommen wie ein brennendes Streichholz in einem Benzintank. Zweitens: Sein Jura-Studium, das er nur deshalb absolvierte, weil es ihm als der Akademikerweg des geringsten Widerstands erschien, kann er sich nach 17 Jahren ohne einschlägige Berufspraxis ebenfalls dorthin stecken, wo die Sonne nie scheint. Und drittens: Mit der Abfindung, die ihm Granada Television mit auf die Straße gegeben hat, bringt er sich und seine Familie bestenfalls ein paar Monate über die Runden. Also beschließt er, von nun an internationale Bestseller zu schreiben.
Lee Child entwarf seinen Erfolg am Reißbrett. Keine Romantik, reines Kalkül. Sein Serienheld Jack Reacher erschien 1997 mit einem klar definierten Auftrag auf dem Buchmarkt: Er sollte seinem Schöpfer Geld einbringen. Reachers Einsatzgebiet waren die USA, seine Zielpersonen die breite Masse. Bei der Wahl der Waffen setzte Child auf den alten Mythos des einsamen Cowboys, des wortkargen Rächers, der seinen Job erledigt und dann in den Sonnenuntergang reitet. Und seine Rechnung ging voll auf.
„Ich wurde in Eno’s Diner verhaftet. Um zwölf Uhr. Ich aß gerade Rühreier und trank Kaffee.“ Mit diesen Worten begann Childs erster Roman, und die Kritiker jauchzten sich die Kehlen wund. „The Killing Floor“ („Größenwahn“) sackte mit dem Anthony Award und dem Barry Award gleich zwei der begehrtesten Newcomer-Trophäen ein. Jack Reacher hatte ins Schwarze getroffen. Und er hat seine Zieloptik seither nicht gewechselt, sondern lediglich nachjustiert. Mit eiserner Disziplin veröffentlicht Lee Child einen Reacher-Roman pro Jahr, der mit ebensolcher Berechenbarkeit in 20 Sprachen millionenfach über den Ladentisch wandert.
„Ich wollte einen großen, starken Mann, ohne Bindungen und ohne die üblichen Freunde und Liebschaften. Vor allem keinen blinden oder tauben Hobbykoch mit Alkohol- und Beziehungsproblemen.“ Jack Reacher ist Ex-Militärpolizist, also ein Bursche, der dafür ausgebildet wurde, im Notfall auch einem renitenten Bürstenschnitt-Rambo der US Navy Seals mächtig in den Arsch zu treten. Da trifft es sich vorzüglich, dass Reacher vom Scheitel bis zur Sohle 1,93 Meter misst, in deren Verlauf sich 100 Kilo muskulöses Lebendgewicht zu einer tödlichen Kampfmaschine formieren – die deshalb wie geschmiert läuft, weil Reachers kantiger Kopf auch das nötige Gehirnschmalz beheimatet. Tatsächlich verfügt Reacher über eine kriminologische Intelligenz, für die Sherlock Holmes ohne zu zögern Dr. Watson verkauft hätte. Zu erwähnen wäre außerdem, dass Reacher in der Lage ist, mit einem geeigneten Scharfschützen-Gewehr, das er freilich am Geruch des Waffenöls erkennen kann, einer Fliege auf 800 Meter das Facettenauge rauszupusten, ohne ihr Hirngewebe zu gefährden, Faustfeuerwaffen handhabt wie ein geübter Esser Messer und Gabel und sämtliche Spielarten, ein Menschenleben mit bloßen Händen zu verkrüppeln oder dauerhaft zu verkürzen, im Tiefschlaf beherrscht. Oder wie Lee Child es umschreibt: „Braun gebrannt und in bester Form. Wie ein mit Walnüssen vollgestopftes Kondom.“
Man ahnt es. Jack Reacher ist nicht unbedingt der Typ von nebenan. Aber genau darin liegt seine Stärke. Lee Child hat eine Figur geschaffen, wie sie andere Autoren bestenfalls andeuten, bevor sie der Mut zum Mut verlässt und sie ihre Helden mit aufgepapptem Psycho-Kram und subtil eingearbeiteten Schrulligkeiten (die selbstredend das Leben schrieb) auf halbem Weg vom Sockel stoßen. Reacher ist fundamental kompromisslos. Seine Welt teilt sich in Recht und Unrecht. Der einzige Grauzonengänger ist er selbst. Er redet wenig – und wenn, exakt. („Sie sind schwer zu finden“, meinte Franklin. „Falsch“, sagte Reacher. „Ich bin unmöglich zu finden.“) Frauen spielen in seinem Leben eine Rolle, niemals aber die Hauptrolle. Reacher besitzt kein Handy, kein Auto, keine Adresse.
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Reacher ist also ein Romanheld, den man wunderbar als Macho-Pendant eines frauenverstehenden Chefarzt-Hengstes ins offene Messer der seichten Serien-Papiervernichtung laufen lassen könnte. Das tut Lee Child aber nicht. Überhaupt nicht. Seine Plots sind – auch wenn aus grobem Holz geschnitzt – erstklassige Suspense-Choreografien, in denen sich feine Detail-Arbeit und herzhafte Brutalo-Action eine grundsolide Klinke in die Hand geben. Sollten Sie also demnächst die Nerven wegschmeißen, wenn wieder irgendein Commissario zur Nabelschau in der Oper ansetzt, schmeißen Sie das Buch gleich hinterher. Und holen Sie sich den neuen Reacher. Der heißt „Sniper“ und ist wie alle Bücher von Lee Child: hart, kompromisslos und sauspannend.

Bewertung

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Ihr Kommentar
 1 Kommentar zu diesem Buch.

Ihre Meinung zu diesem Buch »

Nils A schrieb am 12.01.10, 21:54habs an der tanke für ca9€ gekauft weil ich nichts mehr zu lesen hatte un das cover so geil aussah das buch ist klasse wenn man sich mit waffen ein bisschen auskennt und krimis liest


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