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Das Gottesspiel / Kim Young-ha



Das Gottesspiel

Kim Young-ha


Heyne Verlag
Erscheiungstermin: 9/2006
Übersetzer: Cornelia Brandt
Rezension ist von 9/2006
Leserschwert-Genre: Seltsam

Gottesspiel und Teufels Beitrag

Der Plot klingt interessant: Ein Schriftsteller bietet per Telefonhotline lebensmüden Menschen seine Mithilfe beim Selbstmord an. Bevor er zur Hebamme des Todes wird, muss er jedoch von ihren Motiven überzeugt sein. Ist dies der Fall, arrangiert er ihren Tod, lässt die Klienten in seinen Geschichten aber wieder auferstehen und macht sich damit zum Herr über Leben und Tod. Bloß, darum geht es in dem Debütroman von Kim Young-ha überhaupt nicht. Die angekündigte Poesie eines angekündigten Todes ist selbst bei generöser Betrachtung besten Falls der Rahmen für das Sittenbild, das der südkoreanische Popliterat hier skizziert. Wobei der zweifelhafte Titel „Popliterat“ lediglich auf den Breiten-Kracher, mit dem dieses Buch in Südkorea detonierte, schielt. Formal betrachtet ist Kim eher so eine Art New-Wave-Literat. Oder besser: ein Nouvelle-Vague-Literat. Denn tatsächlich ist „Das Gottesspiel” ein zutiefst seltsames und verstörendes Buch, das mit jeder Zeile diese besondere, desinteressierte Leidenschaft atmet, die gemeinhin als französische Delikatesse gilt. Also handelnde Personen, die ohne Handlung auskommen müssen, flüchtige Gefühle, die wie Regentropfen auf einem See zerplatzen, lakonische Dialoge, die wie heißer Brei um die Katze schleichen, existentialistische Träume, die selbst Camus schweißnass aus den Federn geholt hätten, statische Wünsche, die im Schatten der Realität verkrüppeln. Und der Wille ist in Watte gebettete Wut. Was bleibt ist Sex. Egal, ob zufällig oder überfällig, trocken oder nass, inklusive Liebe oder exklusiv. Von diesen Dingen erzählt Kim Young-ha. In einer uns fremden Gesellschaft. In einem uns fremden Ton. In einer uns fremden Welt. Und am Ende ist von der Fremdheit nichts mehr übrig. Außer jener, die auch uns bestens vertraut ist. Ein unglaublich intensiver 150-Seiter.

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