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Blink! Die Macht des Moments / Malcolm Gladwell



Blink! Die Macht des Moments

Malcolm Gladwell


Campus Verlag Verlag
Erscheiungstermin: 06/2005
Rezension ist von 03/2006
Leserschwert-Genre: Sachbuch

Der Guru des Augenblicks

Spätestens seit Douglas Coupland Anfang der 90er Jahre die »Generation X« ausgerufen hat, wissen wir, dass jeder international-kollektiven Zeitgeistbefindlichkeit so eine Art Manifest samt flottem Namen gut zu Gesicht steht. Das mag zwar daran liegen, dass die derart postulierte Neo-Generation vorher überhaupt kein Gesicht hatte, aber in Anbetracht der unbestreitbaren gesamtgesellschaftlichen Wirkung derartiger Wurzelwerke sollte man bei der Ursachenforschung nicht kleinlich sein: denn das Postulat bringt jedem etwas. Dank verbuchter Wesensmerkmale und Verhaltensmuster wird die notwendige Abgrenzung zum auslaufenden Generationsmodell deppensicher, was nicht nur dem Einzelindividuum wohlige Nestwärme beschert, sondern vor allem sämtlichen Werbebotschaftern und Politstrategen eine Menge ärgerlichen Zielgruppen-Kleinkram erspart.
Vor diesem Hintergrund darf man es also durchaus als kapitale Frohbotschaft werten, dass laut US-Medien nun endlich auch die »Generation iPod« ihren Evangelisten gefunden hat. Er heißt Malcolm Gladwell, ist 42, Kanadier, Vater: Brite, Mutter: Jamaikanerin, brotberuflich Journalist beim New Yorker und butterseitig gefeierter Autor von zwei Bestsellern, die sich in den amerikanischen Sachbuchcharts halten, als wären sie dort angetackert: »Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können« (2000) und »Blink! Die Macht des Moments« (2005).
Das Fundament für das Ehrenamt als Guru der »Gen iPod« legte Gladwell mit seinem ersten Buch, das bisher über 1,7 Millionen mal über den Ladentisch ging. Und zwar in einer Art Quadratur des Kreises: denn »Tipping Point« geht der Frage nach, wie es überhaupt zu Zeitgeistphänomenen wie dem iPod kommt bzw. jenem springenden Punkt, an dem – in wissenschaftlicher Terminologie – Quantität in Qualität umschlägt (die sich kommerziell betrachtet selbstredend wieder als Quantität breit macht, Anm.). Gladwell serviert dazu eine ebenso anschauliche wie einleuchtende Parallele: Virus-Epidemien. Was nichts anderes bedeutet, als dass sich – zumindest in der Theorie – die weltweite Verbreitung des kultigen mp3-Players nur unwesentlich von jener der unkultigen Vogelgrippe unterscheidet. Wo, wann, wie und warum dieser Kipppunkt entsteht, bleibt freilich auch bei Gladwell einiger Maßen diffus, aber schließlich geht’s hier ja nicht um akademische Trockenübungen, sondern um die, populär-realistisch illustrierte, moderne Mystifikation des Möglichen.
Das war gut, aber es kommt noch besser: Die Logik, mit der Gladwell in seinem zweiten Megaseller die Rolle des Vordenkers besetzt, ist nämlich absolut bestechend: als Nicht-Nachdenker. »Blink! Die Macht des Moments« ist ein feuriges Plädoyer für die menschliche Intuition, die unmittelbare Urteilskraft, der wir – so Gladwell – in unserem manischen Streben nach vernünftigen Entscheidungen viel weniger Macht zugestehen, als sie tatsächlich besitzt. Okay, rasend neu ist das nicht. Aber bei Gladwell, der nicht nur ein brillanter Autor ist, der die Kunst, komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären ebenso beherrscht wie jene, einfache Zusammenhänge komplex zu erklären, sondern nebenbei auch ein intellektuelles Großkaliber, kommt das Credo »Don’t think, blink!« natürlich nicht als plumpe New-Age-Floskel angekrochen – ganz im Gegenteil, Gladwell versucht sogar nachzuweisen, dass Wissen und Erfahrung den entscheidenden Background für die Qualität des »Blink« bilden. Am grundlegenden Prinzip ändert das aber nichts. Spitz gerafft behauptet Gladwell: Jedes Urteil jenseits der ersten Sekunden einer Erfahrung ist zum Vorurteil verurteilt.
Und was, bitte schön, hat das alles mit der iPod-Generation zu tun? Hoho, eine ganze Menge. Denn Malcolm Gladwells Machtdemonstrationen – die des Augenblicks ebenso wie die der Intuition – bieten dieser Generation eine vortreffliche Strategie gegen die latente Ohnmacht in einer viel zu komplexen Welt. Frei nach dem Motto: Lass einfach deinen eigenen Film ablaufen. Und der iPod …? Nun, der liefert den Soundtrack dazu.

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