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XXX 30 Porno-Stars im Porträt / Timothy Greenfield-Sanders



XXX 30 Porno-Stars im Porträt

Timothy Greenfield-Sanders


Heyne Verlag
Erscheiungstermin: 04/2006
Übersetzer: Conny Lösch
Rezension ist von 03/2006
Leserschwert-Genre: Sachbuch

Akte XXX

Was reizt einen international renommierten Starfotografen wie Timothy Greenfield-Sanders, zu dessen bevorzugten Linsengerichten normaler Weise Großkaliber wie Orson Welles, Vanessa Redgrave, Muhammad Ali, Steven Spielberg oder David Bowie zählen und dem nebenbei das New Yorker Museum of Modern Art vor zwei Jahren 700 Künstlerporträts abkaufte, daran, Pornodarsteller abzulichten? Was reizt Gore Vidal, Salman Rushdie, Nancy Friday, John Malkovich, Lou Reed, John Waters oder JT Leroy daran, Essays (die von offenkundig über offenherzig bis offenhodig reichen) zum Thema Pornografie zu verfassen? Die Antwort auf diese Fragen ist ergreifend simpel: die Pornografie an sich. Und zwar in all ihren Facetten als historischer Dauerbrenner, gesellschaftspolitischer Indikator, florierender Wirtschaftszweig, akute Wichsvorlage oder visionäre ,Pornofizierung’ der Popkultur. Nachzusehen und nachzulesen ist all dies in dem eben erschienenen Buch „XXX 30 Porno-Stars im Porträt“, das der deutsche Heyne-Verlag etwas zu schwungvoll als „Hardcore“-Edition unters volljährige Volk bringt und das [Klappentext auf] „Teil eines Gesamtkunstwerks mit weltweiten Ausstellungen, einem begleitenden Musiksoundtrack (mit u.a. Velvet Underground, Goldfrapp und Peaches) und einer HBO-Filmdokumentation“ [Klappentext zu] ist. Mag sein, ist im übrigen aber Wurscht. Denn dieses Buch, auf dessen Cover the one and never lonely Jenna Jameson das Auge weidet, kommt auch ohne Kontext großartig zur Sache. Zunächst einmal sind da die schlichtweg genialen Aufnahmen von Greenfield-Sanders, der die weiblichen und männlichen Porno-Stars in doppelseitigen Diptycha – gleiches Posing, links unnackt, rechts nackt,– zeigt und dadurch einen verblüffenden Effekt erzielt: denn die meisten Porno-Profis wirken bekleidet … nun ja, irgendwie verkleidet. Natürlich ist man beim ersten Durchblättern zunächst einmal auf Seiten der Damen von einigen Kubikmetern Brüsten jenseits aller Körbchengrößen und der entlockt-verlockenden Haartracht im Intimbereich ein wenig abgelenkt bzw. von der Shetland-Pony-mäßigen Ausstattung der männlichen Protagonisten (wieder einmal) heftig irritiert, aber beim zweiten Blick offenbart sich in diesen Doppel-Fotos weitaus mehr: eine subtile Nuancierung des Gesichtsausdrucks, eine kleine Veränderung der Körperhaltung, ein Wechsel der Identität. Sehr spannend.
Das gleiche gilt für die Textbeiträge und Interviews (ganz wunderbar: John Waters im Gespräch mit Chi Chi Larue), die das Thema „Porno“ aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten und seine erotische Statik mit persönlichen Erlebnissen und allgemeinen Betrachtungen unterkellern – wobei allein „Das Porno-Alphabet“ von A. M. Homes, die u.a. für den New Yorker und Vanity Fair in die Tastatur greift, locker die 15 Eulen wert wäre, die dieses wirklich nett gemachte Paperback kostet. Ganz zu schwiegen, von dem nicht gerade samtenen Underground, der sich auftut, wenn Lou Reed davon berichtet, wie „die Schlampen anal geschreddert werden“. Oder Salman Rushdie, der das saftige Gewerbe sozialkulturell trocken legt; „Pornografie ist immer eine Folge, oder das dramatische Symptom, eines nicht pornografischen sozialen Missstands. Sie ist so gut wie nie dessen Ursache.“ Oder dem klugen Ansatz von John Malkovich, der sich fragt, „ob die Sexindustrie nicht schon in absehbarer Zeit von Amateuren bestimmt wird. Außer dass es dann natürlich gar keine Industrie mehr wäre, oder?“
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