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Das Koma / Alex Garland



Das Koma

Alex Garland


Goldmann Verlag
Übersetzer: Rainer Schmidt
Rezension ist von 05/2006
Leserschwert-Genre: Thriller

Klassischer Filmriss?

Als Carl eines Nachts einer jungen Frau, die in der U-Bahn belästigt wird, zu Hilfe kommen will, prügeln ihn die vier Jungbrutalos ohne Umwege ins Koma. Erst nach einigen Tagen erwacht er im Krankenhaus und findet eine Welt vor, die er nicht wieder erkennt. Sein bisheriges Leben, die Orte und Menschen – alles ist in einem dichten Nebel versunken. Verzweifelt versucht Carl, dem Labyrinth zu entkommen, wird dabei aber immer tiefer in einen beklemmenden Strudel gesaugt … Zugegeben, der Plot hat auf den ersten Blick einen so langen Bart, dass man damit im Stehen den Kellerboden des Genres fegen könnte. Doch der Brite Alex Garland, der gerade mal 25 Jahre alt war, als er 1996 mit „The Beach“ (2001 unter der Regie von Danny Boyle und mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt) einen internationalen Bestseller landete und mit „Manila“ zwei Jahre später einen erstklassigen Nachbrenner lieferte, zaubert aus diesem uralten Hut eine faszinierende Geschichte, die über ganz andere Bewusstseinsebenen turnt, als es zunächst den Anschein hat. Denn hier dient das abgelutschte Motiv der Amnesie nicht als Ausgangspunkt für eine wendige Schnitzeljagd durch die verlorene Identität, sondern als existenzielle Grauzone. Garland gelingt es in dieser, auf 155 wesentliche Seiten komprimierten Story, die sich ohne stilistische Schmuckfarben durch die dunklen Gedankengänge ihres Protagonisten tastet, das Verhältnis zwischen Sein und Bewusstsein in der Schwebe zu halten und dadurch Sinnfragen in den Raum zu stellen, der möglicher Weise gar nicht existiert. Artistische Hirnverrenkungen aus der New-Age-Kiste benötigt er dafür keine, unterschätzen sollte man dieses schmale Büchlein dennoch nicht.


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