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Copy / David Brin



Copy

David Brin


Heyne Verlag
Übersetzer: Andreas Brandhorst
Rezension ist von 11/2005
Leserschwert-Genre: Science Fiction

Multiple Persönlichkeit

Wenn Astrophysiker von Science auf Science Fiction umsatteln, ist Vorsicht geboten; denn diese schrulligen Leutchen neigen mitunter dazu, den geistigen Freiraum, den ihnen die Literatur bietet, mit subatomar gesättigter System-Komplexität anzurammeln und metaphysisch abzudichten, was auf den Durchschnittsleser ungefähr so einladend wirkt wie ein schwarzes Loch. Dieser Versuchung kann auch David Brin in seinem neuen Zukunftsthriller nicht ganz widerstehen, allerdings dauert es hier fast 600 Seiten, bis dem Autor im Finale die Synapsen ein wenig durchgehen; und die Story, die in dieses Finale führt, ist so griffig irre, dass einen der kleine Ausflug ins theoretische Nirwana alles andere als kalt erwischt.
Wir befinden uns in einer Zukunft, in der das Klonen so alltäglich ist wie Essen und Schlafen – allerdings kann jeder Mensch nur sich selbst klonen, und diese Doppelgänger, die je nach Qualität der verwendeten Ton-Rohlinge die geistigen und körperlichen Fähigkeiten ihres Schöpfers übernehmen, haben eine stark begrenzte Lebensdauer: nach ca. 24 Stunden verrotten sie oder werden recycelt. Ihre einzige Chance auf Kontinuität ist daher ein rechtzeitiger Erinnerungs-,Inload’ ins Gehirn ihres Originals. Auf diesen uralten Golem-Mythos (der natürlich ethisch-existenzielle Fragen am Fließband produziert) setzt David Brin eine spannende Krimihandlung, in der Privatdetektiv Albert Morris versucht, eine groß angelegte Verschwörung rund um eine revolutionäre Weiterentwicklung der Klontechnik aufzudecken. Er tut dies in Echtzeit und aus der „Ich“-Perspektive – und darin liegt die Stärke dieses Buchs. Denn wir haben es selbstverständlich mit mehr als nur einem Albert Morris zu tun – und wiewohl die parallel ermittelnden Morris-Kopien alle den gleichen Background haben, bewegen sie sich doch auf unterschiedlichen Erkenntnislevels. Das gibt „Copy“ eine dramaturgische Würze, die direkt ins Hirn kriecht.
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