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Boy Wonder / James Robert Baker
Das erste, was Shark Trager von dieser Welt sah, war nicht das wahre Leben, sondern Kino – vom Rü ...

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Treibstoff / James Robert Baker



Treibstoff

James Robert Baker


List Verlag
Rezension ist von 1/2002
Leserschwert-Genre: Szene
1 Besucherkommentar zu diesem Buch.

Last night a DJ saved my life

„Ich möchte so schreiben, wie Keith Richards Gitarre spielt.“ Verdammt fette Ansage. Denn immerhin heißt dieses Motto grob übersetzt, dass Baker mit einem in klarem Alkohol versetzten Gemisch aus Genialität und trashigem Dilettantismus in die Seiten griffeln muss. Aber wer seine Kultschwarte „Boy Wonder“ (ebenfalls bei List erschienen) kennt, weiß, dass der amerikanische Autor, der sich – ewig schade – vor vier Jahren selbst aus dem Leben katapultierte, durchaus hält, was er da vollmundig versprochen hat.
In seinem 1986 unter dem Titel „Fuel-Injected“ erschienenen Roman, der nun auf deutsch als TB aufliegt, schickt er einen völlig abgedrehten Radio-DJ in den Äther, der sich in ein intimes Scharmützel mit der chronisch zugedröhnten Ehegattin eines lebendlegendären Musikproduzenten stürzt, der seit 15 Jahren an dem ultimativen Song arbeitet. Das Ganze endet latürnich in einem satten Desaster, aber Bakers Brachial-Stil und sein speedversetztes Rhythmusgefühl machen dem deutschen Titel wahrlich alle Ehre.
Bewertung

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Holger Nicolaus schrieb am 17.07.09, 23:23„Kein Held flog je höher, keiner stürzte tiefer. Boy Wonder erzählt die Geschichte der Hollywoodlegende Shark Trager. Die Geburt auf dem Rücksitz im Autokino.“ Der Umschlagtext auf dem Hardcover des Buches verrät nur ansatzweise, mit welch tiefsitzenden Obsessionen, nervenzerfetzendem Horror und aggressivem Sex der Autor J.R. Baker seine Leser konfrontiert. Sein Protagonist heißt Shark Trager, der nach einer verschlagenen Kindheit in bescheidenen Verhältnissen zum Wunderkind der Filmschule in Los Angeles avanciert. Mit seinem Debüt „Pillow Fuck“ drückt er der Filmwelt in den frühen Sechzigern seinen Stempel auf. Kassenschlager folgen, die eine eigenwillige Mixtur sind aus Elementen der „Nouvelle Vague“, des „Film Noir“ und amerikanischem Mainstream-Kino. Das Publikum seiner Filme feiert ihn als den größten Filmschaffenden aller Zeiten. Shark ist ganz oben. Er wohnt in Malibu, fährt Porsche, kann sich vor Mädchen kaum retten. Nächtelange Schreibtrips an Filmdrehbüchern wechseln sich ab mit fiebrig-schwülen Orgien. Sex, so konstatierte Sharks „Seelenklempner“ Raymond Dahl einmal, spiele eine tragende Rolle im Leben seines „zwanghaft onanistisch, kameravoyeuristisch veranlagten Klienten mit der tiefliegenden psychischen Abweichung“. Frauen sind vom charismatischen Künstler und kühnen Geschäftsmann Shark fasziniert. Auch seine hochachtbare Sekretärin Cynthia Clive, die schon „für Riesen wie Mr. Thalberg und Mr. Selznick“ gearbeitet hat. Shark aber benutzt sie nur - bevor er sie am Ende achtlos fallenläßt. Einzige Ausnahme: die naive Millionenerbin Kathy Petro. Sie ist die tragende Säule in Sharks Leben. Seine obsessive Verehrung für sie wird eigentlich nur noch durch seine manische Detailversessenheit für die ins Grotesk-Perverse ausufernden Filmprojekte übertroffen. Shark ist besessen, kennt keine Schranken bei der Reali-sierung seiner brillianten und abstrusen Filmprojekte. Im beinharten Geschäftsalltag Hollywoods manipuliert er Geldgeber, Künstler und Freunde, bis im wahrsten Sinne des Wortes blutige Fetzen fliegen. Wieviele seelische und körperliche Krüppel der kometengleich Emporgestiegene in seinem tödlich wirbelnden Abgasstrahl zurückgelassen hat, zählt am Ende der fesselnden Geschichte niemand mehr. Dann der Niedergang: Die Öffentlichkeit verdammt Sharks Werk, stempelt ihn als Wahnsinnigen, als nihili-stischen Psychopathen. Der Tycoon landet in der Gosse. Doch er steht noch einmal auf. Scheinbar geläutert erhebt er sich wie ein Phönix aus der Asche. Der größte Film seines Lebens, „Home to the heart“, ist gleich mehrfach für den Oscar nominert. Doch wer Shark Trager kennengelernt hat, weiß, daß diese Oscarverleihung einen ganz und gar unüblichen Verlauf nehmen wird... In der Form einem packenden Drehbuch gleich serviert Ex-Schwulenporno-Romancier und Drehbuchautor J.R. Baker eine auf die Spitze getriebene Hollywood-Satire. Spannend, dramatisch, intelligent, atemberaubend, schonungslos derb – und außerordentlich lustvoll zu lesen.


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