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Generation P / Viktor Pelewin



Generation P

Viktor Pelewin


Verlag Volk & Welt Verlag
Übersetzer: Andreas Tretner
Rezension ist von 8/2000
Leserschwert-Genre: Satire

Russisches Roulette

Russische Literatur. Das ist Dostojewski oder Tolstoi, ehrgeizigen Trivial-Pursuit-ReckInnen und anderen intellektuellen Eliten legt sich vielleicht noch Gogol oder Puschkin auf die Zunge. Aber Pelewin …? Nie gehört. Das dürfte sich bald ändern, denn Viktor Pelewin ist in seiner Heimat nicht nur Träger der Zeitgeistvorsilbe „kult“, sondern nebenbei auch Russlands meistgelesener Zeitgenosse. Warum dem so ist, lässt sich in „Das Leben der Insekten“ (1997) oder „Buddhas kleiner Finger“ (1999) nachlesen, warum Pelewin schon demnächst auch ein literarischer ,Westernheld‘ sein könnte, steht in seinem neuen Roman „Generation P“ – wobei P für Pepsi steht, für das Paradies der westlichen Konsumwelt, für Perestroika … bis P real wird und mit sofortiger Wirkung exklusiv für Profit steht.
Der Moskauer Junglyriker Babilen Tatarski ist ein beispielhafter Vertreter dieser neuen Generation. Er hat begriffen, wo der Rubel rollt, sein Weltbild ein wenig korrigiert und beschlossen, fortan nicht mehr für die Ewigkeit, sondern für die Werbung zu schreiben – und im Gegenzug der Ewigkeit nur noch auf ausgedehnten Drogentrips zu begegnen. Aber jedes Spiel hat einen Seitenwechsel, und irgendwann macht Tatarski nicht mehr Karriere, sondern Karriere macht Tatarski … Pelewin führt seinen Zynismus wie ein Skalpell und schnippelt dem Kapitalismus fein säuberlich das Herz raus; was bleibt, ist eine vor sich hin pumpende Illusion, oder besser, ein großer Schein. Fazit: ziemlich genial.
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