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Thirsty Dog. Die Tage der Demut

Simone Gertz


Libro Verlag
Rezension ist von 2/2000
Leserschwert-Genre: Irre
1 Besucherkommentar zu diesem Buch.

Ein Underdog auf Tollwut-Trip

„Squid rennt durch die Straßen, die Haare steif nach hinten, in offenen Stiefeln, mit nacktem Oberkörper. Squid rennt lange Schritte und keucht Dampfwolken, schnell und abgehackt. In den Händen hält er seinen E-Bass. Die Finger reißen unerbittlich an den Saiten, die Passanten springen zur Seite in den Schneematsch auf der Straße. Die Passanten schütteln die Köpfe, keiner, der sich traut, Squid in den Weg zu treten, ihm etwas hinterherzurufen. Squid hat was im Blick, so was im Blick.“
Das ist ein Klappentext. Klappentexte wortwörtlich abzuschmieren, ist so ziemlich das Hinterletzte, was ein Rezensent tun sollte, das sicherste Indiz dafür, dass er das Buch, zu dem er gerade öffentlich absenft, nicht mal gelesen hat. Ich habe „Thirsty Dog. Die Tage der Demut“ gelesen und bin dabei auf keine Textpassage gestoßen, die diesen abartigen Debütroman besser rüberbringt, denn Simone Gertz, deutscher Jahrgang 1973 (!), hat was im Stil, so was im Stil. Squid ist „ICH“, eine wandelnde Zeitbombe, die nicht weiß, ob sie explodieren oder implodieren soll, ein egomanischer Außenseiter, dessen einzige Sprachform der Schmerz bzw. dessen Linderung ist, einer, der den Wahn vom Sinn getrennt hat und das Leben nur als Überleben wahrnimmt. Squid ist der tollwütige Underdog, der seinen Durst stillt, indem er sich die eigenen Wunden leckt. Ein unheimlich böses Buch, ein unheimlich gutes Buch.
Bewertung



Ihr Kommentar
 1 Kommentar zu diesem Buch.

Ihre Meinung zu diesem Buch »

kaedinger schrieb am 21.10.09, 13:00Ein uheimlich abgeschriebenes Buch, siehe z.B. 'Murder Ballads' von Nick Cave. Ganze Passagen wurden einfach übersetzt aus dem 3 Jahre zuvor erschienen Album übernommen...


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