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Azzurro / Kurt Lanthaler



Azzurro

Kurt Lanthaler


Haymon Verlag
Rezension ist von 10/1998
Leserschwert-Genre: Krimi

Tschonnie Uncool

Das Leben hat es nicht allzu gut gemeint mit Tschonnie Tschenett. In einem verhaßten Südtiroler Kaff aufgewachsen, schlägt sich der ständig zwischen zwei Welten und Sprachen hin und her Getriebene als Aushilfs-LKW-Fahrer und Hochseefischer durch. Mehr tragischer Loser als strahlender Held kennt er die dreckigen Plätze der Welt und die entseelten Abgründe menschlicher Existenzen aus reichlicher Erfahrung. Auch in seinem vierten literarischen Auftritt schlittert Tschonnie geradewegs knietief in die Scheiße. Auf hoher See, vor Grönland, von einem Fischkutter gespült, muß er sich nach seiner Rettung mit quälender Amnesie und dem Vorwurf, einen Mord begangen zu haben, auseinandersetzen. Im Gefängnis sitzt er allerdings wegen einer ganz anderen Sache. Und noch dazu zwanzig Jahre später. Zurück im kalten Südtirol, wo er eigentlich nie wieder hinwollte, passieren bereits die nächsten zwei Morde...
Der 1960 in Bozen geborene Kurt Lanthaler wechselt auch in „Azzurro“ scheinbar spielerisch die Erzählebenen. Sein vierter Krimi mit Tschonnie Tschenett in der Rolle des gebeutelten Antihelden, ist ein realistischer Thriller, der aktuelle Zeitbezüge ebensowenig scheut wie klare politische Haltungen. Tschenett hat nichts gemein mit der eleganten Gewieftheit traditioneller Detektive. Vielmehr ist er der Minusmann eines von Lanthaler neu definierten Krimi-Genres. Die romantische Hoffnung auf azurblaue Lagunen wird dem Leser trotz des irreführenden Titels gnadenlos und sprachlich präzise ausgetrieben. Meisterlich legt Lanthaler Tschenetts Psyche Schicht um Schicht frei und schafft es, die Spannung bis zum Schluß zu halten.
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