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Das letzte Geheimnis / Ian  Caldwell & Dustin Thomason



Das letzte Geheimnis

Ian Caldwell & Dustin Thomason


Lübbe Verlag
Übersetzer: Rainer Schmidt
Rezension ist von 4/2005
Leserschwert-Genre: Thriller

Rätselrallye

Zunächst einmal ein offenes Geheimnis: der mediale Mechanismus, der den Debütroman des jungen amerikanischen Autorenduos Caldwell/Thomason aus dem Stand weg direkt ins Spitzenfeld der internationalen Bookcharts katapultierte, hat einen Namen: Dan Brown. Denn als „The Rule of Four“ (Originaltitel) 2004 erschien, konnte es sich kaum ein US-Kritiker verkneifen, dieses Buch vollmundig im Kielwasser von Browns Megaseller „Sakrileg“ zu platzieren – und der Vergleich ist gar nicht mal so übel, auch wenn er mit dem Spielbein hinkt.
Ähnlich wie in Browns fulminanter Schnitzeljagd nach dem Da Vinci Code bohren sich Ian Caldwell und Dustin Thomason mit leidenschaftlicher Präzision Schicht für Schicht und Kapitel für Kapitel durch die dunklen Geheimnisse der „Hypnerotomachia Poliphili“, einem mysteriösen Renaissance-Roman, dessen hoch komplexes Chiffriersystem der Wissenschaft bis heute scheinbar unlösbare Rätsel aufgibt. So weit, so Brown. Allerdings haben sich die beiden Newcomer bei ihrem Plot nicht mit der Rätselrallye begnügt, sondern den vier handlungstragenden Studenten der Princeton-University auch ein paar Sonderprüfungen in den erzählerischen Rucksack gepackt. Und so sieht sich der Leser auf knapp 450 Seiten mit einem mörderischen Krypto-Thriller, einem verklärten Campus-Roman, einer sensiblen Romanze und einem Quasi-Philosophicum zum Thema Freundschaft konfrontiert – und mitunter überfordert. Tatsächlich gewinnt man manchmal den Eindruck, als hätten die beiden so viel Hintergrundwissen gesammelt, dass ihnen dabei der Vordergrund ihrer Story ein wenig aus der Optik rutschte. Andererseits lässt sich dieser intellektuell und stilistisch beeindruckende Debütroman natürlich auch so lesen, dass es genau diese Vielschichtigkeit ist, die überhaupt erst den Schlüssel für „Das letzte Geheimnis“ bietet …
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