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Der Kuss des Toren / Jeffrey Moore



Der Kuss des Toren

Jeffrey Moore


Eichborn Verlag
Übersetzer: Chris Hirte
Rezension ist von 10/2003
Leserschwert-Genre: Beziehung und so

Mann und Frau, aber echt

„[…] mich verband nichts mit Sabrine, aber sie war schön. Das fanden auch andere, und als ich sie im Swimmingpool des Hauses erwischte, nackt in den Armen des Nachtportiers, machte ich Schluss mit ihr. Sie fuhr nach Frankreich in die Ferien (mit dem Nachtportier), ich stieg ins Taxi und machte einen Neuanfang. Selbst der Fahrer fand, daß ich mir dafür die falsche Gegend ausgesucht hatte.“ Jeremy, mittdreißig und vom Leben geschüttelt, nicht gerührt, wagt also den quietschenden U-Turn – in einem vergammelten Apartment im sozialen Souterrain Montreals, mit einer Vermieterin, die sich lediglich durch ihren wuchernden Schnurrbart von einem Kampfstier unterscheidet, mit Nachbarn, die ihre extreme Schräglage durch kontaktfreundliche Unfreundlichkeit zu begradigen trachten – und mit Milena von gegenüber („… ihre Lippen voll, ihr Teint eher dunkel …“) etceteraissimo.
Leute, ich schnuppere einen Trend. Schon wieder ein preisgekrönter Übersetzer (übersetzt von Chris Hirte), der selbst & bewusst in die Tasten greift und so einen wunderbaren Roman rausholzt. Stilistisch reist man mit dem Kanadier Jeffrey Moore erste Klasse, weil er sein Handwerksgepäck auch locker im Grind unter den Sitzen zu verstauen weiß. Und die Story ist schlichtweg schön. „Der Kuss des Toren“ schmatzt, schmollt, schmackt und schmettert.
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