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Vor dem Frost / Henning Mankell



Vor dem Frost

Henning Mankell


Zsolnay Verlag
Übersetzer: Wolfgang Butt
Rezension ist von 6/2003
Leserschwert-Genre: Krimi

Wallander in der Familienpackung

Erstaunlich. Dem schwedischen Megaseller ist es mit seinem neuen Wallander-Krimi gelungen, den britischen Zauberlehrling im deutschsprachigen Raum auf die Plätze zu verweisen – und das mit einem relativ schwachbrüstigen Buch. Relativ deshalb, weil sich Mankell mit seinen letzten beiden Wallander-Abräumern „Mitsommermord“ und „Die Brandmauer“ (über die 02 erschienene Retro-Peinlichkeit „Wallanders erster Fall“ schweigt der Connaisseur) die Latte selbst verdammt hoch gelegt hat.
Generationswechsel: „Vor dem Frost“ ist allerdings kein waschechter ,Wallander‘, denn der vom eigenen Charisma gebeutelte Kult-Kurt wird hier von seiner subtil lancierten Tochter Linda abgelöst und sorgt als zweite Geige nur noch für die Erkennungsmelodie der Erfolgsserie. Linda ist aber nicht das Problem dieses Buchs, sie hat von Anfang jene spröden Kanten, an denen sich Wallander-Fans genüsslich reiben. Das Problem ist der Plot: Der ist schlicht und ergreifend unglaublich, im schlechtesten Sinn des Wortes. Nicht nur, dass man ins Grübeln gerät, wenn eine fanatische Dschungel-Sekte ohne erkennbaren Grund ihren tödlichen Wahnsinn ausgerechnet in Wallanders Schweden-Revier auslebt, wird die gute Linda dann auch noch privat in die Sache reingezogen. Trotz souverän geführter Krimiklinge ein klassischer Fall von Überspannungsbogen.
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