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Auflegen / Michael Lösch



Auflegen

Michael Lösch


Piper Verlag
Rezension ist von 4/2003
Leserschwert-Genre: Szene

Clubbing, beim Wort genommen

Warum ausgerechnet Deejays signifikant heftig dazu neigen, künstlerisch über ihren Plattentellerrand zu blinzeln und sich unter die Buchautoren zu mischen, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. In diesen Schleier verwoben ist die erlesene Erfahrung, dass DJ-Storys sich nicht selten als nabelbeschauliche Milieu-Trasher erweisen, deren stilistisches Fett gerade mal dazu reicht, den Autor zum Mittelpunkt der Welt hochzustilisieren. Vielleicht gibt’s ja sowas wie eine Seelenverwandtschaft zwischen Aufleger und Verleger …
Aber keine Regel ohne Bestätigungsausnahmen. Michael Lösch ist so eine Ausnahme. Der aus Rumänien stammende, seit 1973 in Deutschland lebende DJ, dessen Billing-List namhaft in Ohr und Geldbeutel klingelt, hat allerdings den Vorteil, seine Schreibfeder bereits an keinem Geringern als Johann Wolfgang Goethe spitzgewetzt zu haben; bisher veröffentlichte der ehemalige Deutschlehrer Lösch zwei Nachschlagewerke: „Who’s who bei Goethe“ (dtv) und „Goethes Faust“ (Piper). Und siehe da, so wird aus einer DJ-Story, die sich inhaltlich nicht wesentlich von den üblichen coolen Genre-Platten unterscheidet – also Szene-Clubbing, Abhotting, Hirnverdichting, In-Schönfrau-Verliebing – ein rhythmisches Ganzes, das nicht nur den Zeitgeist der Club-Gen recht authentisch verströmt, sondern auch jenes Aroma, das wir Literatur nennen.
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