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Nichts als Gespenster / Judith Hermann



Nichts als Gespenster

Judith Hermann


S.Fischer Verlag
Rezension ist von 1/2003
Leserschwert-Genre: Stories

Reifeprüfung mit Auszeichnung

„Ihr Erfolg wird groß sein.“ Wenn diese prophetischen Worte aus den süffisant-schlabbrigen Lefzen von Marcel Reich-Ranicki stammen, wenn sie ein Debüt betreffen und wenn dieses Debüt trotz der Absolution des Literaturpapstes auch die unter 40-Jährigen (sprich die Zielgruppe) regelrecht ausflippen lässt, dann ist das genau jenes Szenario, das jeden Jungliteraten vor dem Einschlafen heimsucht – bis zum zweiten Buch. Denn dann hängt plötzlich Freund Damokles sein rünstiges Schwert rübenvertikal ins Spiel, und Kollege Ikarus macht sich sicherheitshalber startklar. Aber Judith Hermann blieb cool, aus dem Erfolgsdruck wurden keine literarischen Presswehen.
Erst vier Jahre nach ihrem sensationellen Erstling „Sommerhaus, später“ gibt sie den medialen Geilgeistern, die sie rief, die richtige Antwort: „Nichts als Gespenster“. Sie knallt ein Buch auf den Tisch, das die bluesige Melancholie ihres Durchbrechers nachhallen lässt, aber einem neuen Rhythmus folgt. Diesmal begleitet Hermann (Jg. ’70) die Orientierungslosigkeit ihrer Generation in die Ferne. Das Ziel der Geschichten ist nicht der Weg, das Ziel ist das Ziel. Das es so nicht gibt. „Nichts als Gespenster“ ist ein außergewöhnliches Buch, weil es nicht außergewöhnlich sein will. Es ist schlicht und ergreifend. Und sehr, sehr gut. Sommerhaus, jetzt.
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